Das Märchen von Burgau

Schloß Burgau

Schloß Burgau

Von 1990 bis 1995 gab es in der Steiermark ein “Zentrum für Neue Medizin”, welches von der Hamerschen Herde noch heute frenetisch als unwiderlegbarer Beweis für die angeblichen Heilungserfolge ihres Gurus gefeiert wird. Da der jedoch schon damals wegen folgenschwerer Behandlungsfehler erst die Gunst der Medien und dann auch noch seine Approbation verloren hatte, war er gezwungen, seine wirren Thesen auf direktem Weg in seine Zielgruppe zu tragen. Kranke durfte er offiziell nicht mehr behandeln, demzufolge waren seine ausgedehnten Vortragsreisen nun darauf ausgerichtet, vor allem Gesunde anzusprechen.

Informieren Sie sich, solange Sie gesund sind!

Bei einem seiner Vorträge in Graz beeindruckte er die dort anwesende Ehefrau des Burgauer Bürgermeisters so sehr, daß dieser ihm im alten Schloss Burgau einige Räume zur Verfügung stellte. Offiziell als „Außenstelle“ seines Verlages deklariert, dienten sie ihm 5 Jahre lang als Anlaufstelle für neugierige oder verunsicherte Gäste seiner landesweiten Vorträge, die ihn nun persönlich sprechen wollten. Obwohl sich darunter auch Krebspatienten befanden, war die große Mehrzahl derer, die ihn in Burgau besuchten, nicht ernsthaft erkrankt. Sie hatten aber seiner Vorstellung Glauben geschenkt, daß man sich durchaus gesund fühlen kann, während sich im Körper unbemerkt eine Konfliktmasse aufbaut, weil das Gehirn als Reaktion auf einen zurückliegenden biologischen Konflikt längst das dazu korrespondierende Sinnvolle Biologische Sonderprogramm gestartet hat, welches sich nun in seiner Konfliktaktiven Phase (CA) befindet und zwingend einer hamerianischen Konfliktlösung bedarf, um in die Heilungsphase (pCL) übergehen zu können.

Wer könnte sich schon einer so einfachen und einleuchtenden Erklärung verschließen, die überdies für jede Krankheit jedes  Sinnvolle Biologische Sonderprogramm einer jeden Spezies naturgesetzliche Gültigkeit besitzen soll?

Wir Menschen können in aller Bescheidenheit nun zum ersten Mal sehen und sogar verstehen, daß nicht nur die gesamte Natur geordnet ist – das wußten wir z.T. vorher schon – sondern daß auch jeder einzelne Vorgang in der Natur sinnvoll ist, sogar im Rahmen des Ganzen, und sogar die Vorgänge, die wir bisher „Krankheiten“ genannt hatten, nicht etwa sinnlose Störungen waren, die von Zauberlehrlingen wieder repariert werden mußten, sondern wir sehen voller Staunen, daß das alles gar nichts Sinnloses, Bösartiges und Krankhaftes war. Warum sollen oder dürfen wir dieses sinnvolle Zusammenspiel der Natur, des ganzen belebten Kosmos nicht etwas Göttliches nennen? – Hamer in „Vermächtnis einer neuen Medizin Teil 1“, S. 402

Es ist gut nachvollziehbar, daß Hamers salbungsvolle Worte bei denen, die auch sonst mehr der Esoterik als der Wissenschaft zugeneigt sind, auf überaus fruchtbaren Boden fielen. Wie schon in Deutschland ging nun auch in Österreich die Saat auf, die der Germanische Neue Messias auf seinen Pilgerreisen in die Köpfe der Zuhörer gestreut hatte. Angesichts der unverhohlenen Bewunderung, die ihm vielerorts zuteil wurde, wuchs sein Größenwahn und erreichte schließlich nahezu biblische Dimensionen:

Für mich ist die ärztliche Behandlung eines kranken Menschen oder Tiers eine Art heilige Handlung. Vor 2000 Jahren waren die Ärzte gleichzeitig Priester, erfahrene, kluge Menschen, die das Vertrauen ihrer Mitmenschen verdienten. […] Hätte man im Laufe der Jahrhunderte nur ein einziges Mal einen einzigen Patienten richtig gründlich untersucht, dann hätte man es eigentlich herausfinden können oder müssen, wie die Krankheiten zustande kommen. Am klügsten waren noch, man muß es retrospektiv einfach zugeben, die uralten Priesterärzte unserer Vorfahren, die mit Ritualen, Runen- und Beschwörungsformeln als allererstes die Seele wieder in Ordnung zu bringen versuchten. Die von uns so gern verspotteten Medizinmänner des Urwaldes waren viel klügere Ärzte als wir. – Hamer in „Vermächtnis einer neuen Medizin Teil 1“, S. 62 + 412

Ein Arzt, der solche Sätze von sich gibt und gleichzeitig in Aussicht stellt, mit seiner Methode alles und jeden heilen zu können, muß nicht lange auf unbedarfte Kundschaft warten. Nach Burgau hat er damit ca. 6.500 Interessenten gelockt, wie die Behörden nach der Schließung des Zentrums feststellten. Laut Hamer sollen davon die meisten Patienten an fortgeschrittenem Krebs gelitten haben und von ihm davon geheilt worden sein. Da für Hamer aber jede Erkrankung eine Krebserkrankung ist, werden wohl nur die 500 Patienten tatsächlich ein bösartiges Karzinom gehabt haben, die von der Wiener Staatsanwaltschaft bei der Überprüfung der Patientenkartei als „verstorben“ aussortiert werden mußten. Außerdem hatte Hamer auch in Österreich keine Berufsberechtigung als Arzt, so daß er natürlich nicht behandeln, sondern nur seine Ideen verbreiten durfte.

Alles in allem ist die Behauptung seiner Jünger, in Burgau hätte Hamer das Wirken der „5 Naturgesetze“ unter Beweis gestellt, nichts als absurder Wunschglaube. Er hat nur nachgewiesen, daß Menschen an tatsächlich vorhandenen bösartigen Karzinomen sterben, nicht jedoch an Muskelverspannungen oder Pickeln, die für Hamer ebenfalls Karzinome darstellen. Die meisten der 6.500 Schloß-Besucher waren eben nicht todkrank, sondern einfach nur fasziniert von diesem selbstsicheren großen Mann mit dem noch größeren Sendungsbewußtsein, der sich ohne falsche Bescheidenheit als neuer Erlöser darstellt und durch sein Wirken eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte einleiten will. Die meisten Patienten kamen zu ihm, weil er gut reden und ebensogut zuhören konnte und ihnen weismachte, daß er sie über die „wahren“ Abläufe im Körper aufklären und ihnen so jede Angst vor kommenden „Krankheiten“ nehmen würde.

Mit einer von diesen 6.500 durfte ich in den letzten Tagen sehr aufschlußreiche Telefonate führen, für die ich mich auch an dieser Stelle  noch einmal recht herzlich bedanken möchte. Sie ist damals nur deshalb zu dem Hamer-Vortrag gegangen, weil ihr Mann kurz zuvor ziemlich jung an Krebs verstorben war. Danach zählte sie bis 1994 zu den Stammgästen in Burgau, so sehr hat Hamer sie in seinen Bann gezogen. Wegen ihrer begeisterten Berichte waren zum Schluß insgesamt gut zwei Dutzend Bekannte mit nach Burgau gekommen. Wäre nicht ein weiterer Todesfall dazwischengekommen, der ihr glücklicherweise die Augen öffnete, hätte sie Hamer auch noch ihre letzten Ersparnisse gegeben. Unter 4 Augen hat der nämlich immer darüber geklagt, so hoch verschuldet zu sein, daß ihm die innere Ruhe für die Fortsetzung seiner Forschungsarbeit fehlen würde.

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11 Responses to “Das Märchen von Burgau”


  1. 1 mrbaracuda 24. April 2009 um 17:47

    Wenn ich das kurz anmerken darf: Du hast ein Bild eingebettet (das von der Burg oder was das ist), welches über 2MB groß ist. Ich empfehle das runterzuladen, kleiner zu skalieren und neu einzubinden.

    Gruß,
    MrB

  2. 3 Scardanelli 27. April 2009 um 13:22

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    liebe Deppenaufsicht.

    Du schriebst (schrobst, schrobtest):

    „von der Hamerschen Herde“

    Der war mal richtig gut.

    Bin gespannt, ob und wie Du das Gespräch mit der ehemaligen Hamer-Jüngerin verarbeitest.

  3. 4 alois 7. November 2009 um 12:08

    man sagt: einer ist keiner!ein er hamer hat alleine über zig mal zig xyz menschen umgebracht und getötet.und er schläft gut,ohne reue

    was soll man mit ihm machen?

  4. 5 Momo 8. November 2009 um 02:09

    Nach all der Kritik an einem gewissen Dr. Hamer, mit dessen Thesen ich nicht wirklich vertraut bin, würde ich jedoch alle Kritiker bitten, einmal folgende Theorie statistisch zu betrachten:
    Kommt es im Zeitraum von 1 1/2 bis 2 Jahren nach einem unverarbeiteten traumatischen Erlebnis zum vermehrten Auftreten von Krebs?

    Demjenigen, der sich wirklich die Mühe macht, verspreche ich:
    Er wird Erstaunliches feststellen.

    Und: Dr. Hamer ist bei weitem nicht der Erste und Einzige, der sowas postuliert hat.

    “Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.“
    Justus von Liebig

    Haltet Euch also nicht mit den Nichtigkeiten einer Einzelperson auf, wenn ihr wirklich nach der Wahrheit sucht…das ist uninteressant, unproduktiv und vor allem albern.
    Zeigt nicht abwertend mit dem Finger auf andere, um Euch selbst und Euer Weltbild aufzuwerten. Haben Euch das Eure Eltern nicht beigebracht?

    Ihr wollt die Welt vor einem Scharlatan warnen? Dann fangt mit den wirklich Gefährlichen in Wirtschaft, Politik und Religion an. Die haben viel mehr Leichen im Keller!

  5. 7 Interessiert nicht 29. Januar 2010 um 18:05

    @ Momo

    bei Ihrem Artikel sieht man ganz klar das Sie aus der Lobby von Hamer kommen. Die Medizin kann nicht alle heilen, das was der Zigeuner schon verbrochen hat haben kein 1.000.000 Ärtze auf dem Kerbholz. Das ist ein Mörder!!! Und Sie befürworten das!!! Das was der Mann erzählt kann gar nicht sein!!!

    Ich kann Sie vor diesem Subjekt nur warnen!!!

    XX

  6. 8 M. Jansen 20. Juli 2010 um 00:06

    Die Hamerschen Aussagen sind wirklich ungewöhnlich. Aber haben Sie sich einmal mit den vom Gesundheitsapparat genutzen statistischen Mitteln auseinander gesetzt. Wer hier nicht erkennt, dass man in eine Sackgasse gekommen ist, hat sich ungenügend informiert.
    Man nutzt in der Medizin „Relative Überlebensraten“. Die sehen dann bei manchen Krebsarten viel versprechend aus, bei anderen auch geschönt niederschmetternd. Die realen Zahlen unterscheiden sich davon enorm.
    Wieviele Leute kennen Sie, die an Krebs gestorben sind? Wieviele die nach einer Chemotherapie wieder gesund geworden sind?
    Für mich ist der Unterschied zwischen Hamers- und onkologischer-Todessekte einzig der erzielte Profit. Bei Hamer stimmt wenigstens noch der Satz: „Nur der Tod ist umsonst.“
    Für mich also eindeutig das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

    • 9 Scotty 20. Juli 2013 um 12:42

      Wie viel kostete es denn, sich durch Hamer und seine Schergen ermorden zu lassen? Seine „Behandlungen“ bestanden aus singen und essen, und z.B. einen Brusttumor durch das Auftragen von Zitronen- und Zwiebelsaft zu behandeln – besser gesagt: durch Nichtbehandeln (das ist keine Realsatire, sondern entspricht den Fakten). Lesen Sie auch das von einer Französin verfasste Buch, das sie nach der Ermordung durch diese Sekte geschrieben hatte (On a tué ma mère/Man hat meine Mutter ermordet).
      Ich kenne drei Fälle in meinem persönlichen Umfeld, die erfolgreich und nachhaltig mit Chemo therapiert wurden; eine jüngere Frau (38) verstarb leider.
      Und noch etwas: Weshalb vertraute Hamer nicht auf seine Methoden, als er seinen Hodenkrebs erfolgreich kurieren liess! Hätte er dies nicht getan, wäre vielen Erkrankten und deren Angehörigen enormes Leid erspart geworden.

  7. 10 doris 3. Oktober 2010 um 11:56

    doktor hammer und seine sektenanhänger haben meine schwester auf dem gewissen.die als brustkrebsdokumentierten bilder diagnostizierte der bastard als kalkablagerungen.und wiegte meine schwester im glauben sie sei völlig gesund.auch als die metastasen in der achselhöhle ihren arm ausser gefecht setzten,der arm um das 3 fache anschwoll und sie s chmerzen hatte wurde ihr glaubhaft gemacht das käme von einem sturz.ach wurde ihr eingeredet sich bloss nicht in die hände eines schulmedizimners zu begeben,und schon gar keine chemotherapie zuzulassen.mittlerweile ist die brust meiner schwester offen,das blosse fleisch ist zu sehen,blutet,von dem grausamen schmerz zu schweigen.diese sekte trägt schon psychopathische,sowie sadistische züge.die eizige erfolgreiche therapie dieser satanistischen sekte,ist der sichere und menschenunwürdige,qualvolle tod.

  8. 11 Scotty 20. Juli 2013 um 12:29

    Wie ist es möglich, dass immer noch von „Doktor“ Hamer die Rede ist, obwohl ihm die Approbation aberkannt wurde und er in Oesterreich überhaupt nicht töten durfte!?!


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