Die trüben Quellen des Andreas Helten

Über Plagiatoren soll man nicht allzu hart urteilen. Es kann durchaus ein Milderungsgrund sein, daß ihre Einfälle nicht von ihnen stammen.

George Bernard Shaw

Vor einem Monat habe ich am Beispiel des Turkmenistan-Fakes gezeigt, wie dummdreist auf reichsdeutschen „Weltnetzseiten“ die Realität zurechtgelogen wird. Heute war ich wieder im Blog des Herrn Helten zu Besuch, um zu sehen, wie er sich denn aus der peinlichen Affäre gezogen hat. Er scheint aber noch immer unschlüssig zu sein, oder er vertraut darauf, daß seine Zielgruppe sowieso zu einfältig ist, um ausgerechnet diesen einen Schwindel unter all den anderen zu entdecken. Er hatte in der Zwischenzeit weder die Größe,  seinen mit heißer Reichs-Nadel gestrickten Passfarben-Beitrag inhaltlich zu korrigieren oder ganz zurückzuziehen, noch war er konsequent und hat auch das übersehene letzte „turkmenischen“ gelöscht, um seine Leserschaft mit dieser in amerikanischen Bestimmungen zu bundesdeutschen Pässen doch wohl eher ungewöhnlichen Vokabel nicht noch mehr zu verwirren. Aber so richtig fest mag der Herr Helten ja mittlerweile selber nicht mehr an das Märchen mit den „souveränen“ und den „abhängigen“ Farben glauben, also sei ihm sein Betrug verziehen. Es ist dadurch schließlich niemand zu Schaden gekommen, der ihn nicht schon vorher hatte.

Im aktuellen Fall hat er dieses Glück allerdings nicht. In seinem Beitrag Mit Worten Kriege führen (Written by Andreas Helten 23. April 2009 um 16:24) sind von den über 190 Zeilen Text ganze 8 von ihm selber. Der Rest, also praktisch der gesamte Blogbeitrag, ist eine nahezu unveränderte Kopie des Diskussionsentwurfs „Der Staat des Grundgesetzes“ von Joachim Bruhn vom Freiburger Institut für Sozialkritik. Andreas Helten hat ihn lediglich hier und da etwas dem Niveau seiner Leser angepaßt; wenn z.B. schwierige Wörter wie Bourgeois oder Antagonismus vorkommen, dann steht da bei Helten Bourgeois (Bürgertum) und Antagonismus (Widerspruch, Dialektik). Es stimmt nachdenklich, daß er sogar die fdGO (freiheitlich demokratische Grundordnung) für erklärungsbedürftig hält; heiter hingegen, daß er das Ausländische par cœur sprechen von Bruhn unbekümmert zu einem par cur  sprechen macht.

Lustig wird es auch, wenn sich Herr Helten für vollständige Sätze auf den Sprachparcours begibt. Gleich ein halbes Dutzend am Stück hat er in den bruhnschen Text eingebettet. Doch zuvor mußte er noch eine seiner Aussagen umbiegen:

Wenn Art. 20 GG bestimmt: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus”, ist keinesfalls eine Gesellschaft von Individuen gemeint, sondern die Zusammenrottung so kapitalproduktiver wie staatsloyaler Subjekte einer bewaffneten Horde, zum Volk von nichts als Deutschen.

Bruhn spricht im Original von der Zusammenrottung zur bewaffneten Horde, mit der kleinen Änderung hofft Helten wohl den Eindruck vermeiden zu können, daß da das gesamte ‚Volk von nichts als Deutschen‘ gemeint sein könnte. Vorsichtshalber stellt er gleich noch unmißverständlich klar:

Die „Gewalt“ geht vom deutschen Volke aus und der Staat weiß dies zu verhindern. Das sagt dieser Satz zweifelsfrei aus, wenn man wirklich liest was dort steht. Es gilt, jede Gewalt die von einem Deutschen Volk, das sich als Staatsmacht konstituiert, im Keim zu ersticken.

Klar doch, und wer jetzt noch immer Zweifel an dieser reichsdeutschen Interpretation hegt, der hat einfach nicht wirklich genug gelesen, was dort steht.

Wir dürfen nicht vergessen, dass nach über sechzig Jahren selbst der Deutsche gegen den Deutschen hetzt, was keine zufällige Erscheinung ist, sondern gewollt.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass…“ ist die wohl überstrapazierteste AgitProp-Phrase überhaupt. Daß Helten sie selbst nicht ernst nimmt zeigt schon seine Vereinnahmung eines Textes, in dem vor seinen kosmetischen Korekturen doch ganz offensichtlich der Deutsche gegen den Deutschen hetzt. Sogar ihm scheint das an dieser Stelle aufgefallen zu sein, und da so ein Widerspruch zwischen Worten und Taten wohl irgendwas mit Dialektik zu tun haben könnte, schwadroniert er unbekümmert weiter:

Wer die Dialektik beherrscht, wird auch verstehen lernen, wie man die Sprache der deutschen Politik übersetzt und versteht was da wirklich gesagt wird. Es ist keine deutsche Politik, es ist die Politik für die Deutschen, so wie das Grundgesetz für die Bundesrepublik ist.

Auch hier wieder: wer anderer Meinung ist, der übersetzt falsch und versteht nicht. Alles eine Frage der Beherrschung Heltenscher Dialektik.

Unverständlich geblieben ist mir z.B. das Streichen der Wannsee-Konferenz in Bruhns Charakterisierung der Deutschen als „das Volk der Nürnberger Gesetze und der Wannsee-Konferenz“, während das komplette Unterschlagen von Bruhns Fazit durchaus verständlich ist:

Trotzdem, auch in Deutschland gilt: Wer A sagt, muß nicht B sagen – er kann auch erkennen, daß A falsch war. Die nötige Revolution muß daher, wenn sie nicht abermals die “Revolution der Deutschen” werden soll, zu der Goebbels mobilisierte, von Anfang an Weltrevolution gegen Deutschland sein.

Offenbar stößt sich Helten nicht daran, mit Bruhn in grundlegenden Fragen uneins zu sein, er blendet sie dann einfach aus. Alles andere hält er aber trotzdem für so gut, daß es genausogut auch von ihm sein könnte. Muß er dann ausnahmsweise mal eine wichtige Lücke mit eigenen Worten füllen wie hier das abschließende Fazit,  kommen prompt wieder Plattitüden wie diese dabei heraus:

Trotzdem, auch in Deutschland gilt: Mit Worten Kriege führen.

Wer Krieg führt, sagt uns das Grundgesetz

Wozu hat er nun fast 200 Zeilen lang Anlauf genommen und sich die Argumentation eines unabhängigen Linkskommunisten zu Eigen gemacht, wenn er auf den letzten beiden Zeilen rhetorisch so kläglich versagt?

Apropos versagen: Wer sogar Texte des Kreationisten und Holocaustleugners Harun Yahya als die seinen ausgibt, der kann sie enden lassen wie er will, er macht sich in jedem Falle unglaubwürdig. So geschehen in Heltens „Das Auswanderungsabkommen“ Teil 1 und 2, diese Beiträge hat er wortwörtlich dem Buch „Das Grauen des Holocaust“ entnommen, natürlich ebenfalls ohne Autor oder Titel auch nur zu erwähnen. Zugegeben, ein ganz klein wenig Helten steckte auch diesmal wieder drin, er schreibt nämlich an einer Stelle Bevor wir dieses heiße Eisen beleuchten, wo es bei Yahya etwas nüchterner „Bevor wir dieses Thema ausführlich untersuchen“ heißt. Aber das war auch schon alles von ihm. Ein heißes Eisen, das beleuchtet werden muß…

Reicht Ihnen das? Mir schon. Das waren beileibe nicht die einzigen Beispiele von zügellosem Plagiarismus, die im gedankenfreien Blog zu finden sind, aber es waren wohl die ideologisch markantesten. Ob es Heltens Ruf schadet, wenn seine Leser die Leser seiner Beiträge der Beiträge, die er veröffentlicht, mitbekommen, bei wem er so hemmungslos und ungeniert abschreibt?

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5 Responses to “Die trüben Quellen des Andreas Helten”


  1. 1 Timo Grassi 26. Oktober 2009 um 18:13

    Dass Andreas Helten ein Plagiator ist, halte ich durchaus für möglich, denn ich war überrascht, dass dort Dinge zu finden sind, die von mir stammen. Wie auch immer, er hat Mut das so auszusprechen. Ich bin da etwas mutiger.

    Hier mein Kommentar zu seinem Aufsatz mit der von mir im Jahre 2000 ausgerufenen Gegenwartsbewältigung:

    Mein Kompliment zur Gegenwartsbewältigung!

    Man kann es noch kürzer zum Ausdruck bringen:

    Die Vergangenheit ist definiert als ein in sich abgeschlossener Vorgang. Die Verbindung des Wortes „Vergangenheit“ mit dem Verb „bewältigen“ zeugt von psychotischen Denken. Von verantwortungsfähigen Menschen kann aufgrund logischer Gesetzmässigkeiten nur das Wort „Gegenwartsbewältigung“ auf Schultafeln akzeptiert werden.

    Laut Freud besitzen die Wortschöpfungen der psychopathologischen Natur stets einen verborgenen Sinn, der sich zumeist auf krankhafte sexuelle Wünsche bezieht:

    „Vergangenheitsbewältigung“

    Also ich höre da nur eins: Leichenficken!

    Und genau das ist es, was die staatstragende, intellektuelle Klasse treibt.

    Die Wortschöpfung „Vergangenheitsbewältigung“ wurde bereits von den Ideologen des Nationalsozialismus in den Umlauf gebracht. Es steht für die von den Nazis geforderte Vernichtung des jüdischen Volkes, das man dafür verantwortlich machen wollte, die „tapferen“ Römer und -später- Germanen durch einen infamen Betrug mit eineiigen Zwillingen bei der Kreuzigung des Christus mit dem realitätshöhnenden Devotismus des Christentum infiziert zu haben.

    Auch ein anderer Titel stammt vermutlich auch von mir:

    Im Namen der Justiz

    steht geschrieben

    auf den

    Schultafeln der Nation

    -jenseits der Reflexion-

    der psychopathologische Wunsch
    eines nekrophilen Massenmörders

    nach

    Vergangenheitsbewältigung

    Da lautet das Urteil der toten Dichter und Denker:
    Das Deutsche ist ein Volk tauber Richter und Henker

    Aber unterm Strich sehe ich das gelassen. Denn erstens hatte ich mit meiner Kritik an der „Vergangenheitsbewältigung“ schon einige bundesweite Veröffentlichungen. Zum anderen trägt alles, was ich von mir lasse, fälschungssichere Wasserzeichen. Mein Urgrossonkel war Max Reger, der letzte Riese der Deutschen Klassik. Von dem habe ich einiges übernommen, was den Schutz vor allzu dreisten Plagiatoren betrifft.

    Und dafür steht auch mein bürgerlicher Name:

    Timo Grassi (speak:“democracy“ oder auch „timocracy“)

  2. 2 Timo Grassi 27. Oktober 2009 um 11:46

    Leider ist hier was schief gelaufen. Ich verweise auf meine Zusätze, die jetzt im Blog „Da kommt jede Hilfe zu spät“ gelandet sind, aber eigentlich auf allen derartigen Blogs passen. Einschliesslich der Ursprungsquellen.

  3. 3 Gerhard Schumacher 13. Dezember 2009 um 14:22

    Herr Helten ist nicht nur ein Plagiator – das ginge noch, denn damit würde er anerkennen, dass er es selbst nicht kann. Er ist aber auch ein Lügner. In mehreren seiner Beiträge auf gedankenfrei.wordpress (mindestens zwei) benutzt er das folgende angebliche Zitat:

    Definition Grundgesetz
    Ein Grundgesetz ist ein besatzungsrechtliches Mittel zur Schaffung von Ruhe und Ordnung in einem durch Kriegshandlung besetzten Gebiet. Gegeben von der Siegermacht (oder den Siegermächten), für das auf Zeit eingesetzte Verwaltungsorgan (BRD). – Creifeld´s Rechtswörterbuch 17. Auflage Verlag C.H.Beck München 2002 –

    Klingt doch komisch, nicht wahr? Ist auch komisch, besonders wenn man mal in den Creifelds (nicht Creifeld’s) hineinsieht und feststellt, dass da steht:

    Grundgesetz (GG). 1. Das „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ vom 23. 5. 1949 (BGBl 1) ist die →Verfassung der BRep. … Der Begriff „Grundgesetz“ will nichts anderes besagen als Verfassung; er wurde seinerzeit gewählt, um den provisorischen Charakter der BRep. zu dokumentieren.
    2. Das GG regelt die rechtliche und politische Grundordnung der BRep. …

    Ich habe mich vergewissert, dass es auch wirklch die 17. Auflage war, die ich in der Bibliothek eingesehen habe. Aber darauf dürfte es kaum ankommen.

    Ich habe in den Kommentaren zu zwei seiner Beiträge höflich gefragt, wo genau im Creifelds man seinen Text findet. Die Fragen wurden nicht freigeschaltet und waren nach wenigen Tagen verschwunden. Auch eine Antwort per Mail erfolgte nicht.

    Somit ist festzustellen, dass Herr Helten den guten Namen eines angesehen und viel benutzten juristischen Werks benutzt, um vorsätzlich falsche Behauptungen in die Welt zu setzen, die er auch nicht richtig stellt, wenn man ihn darauf hinweist. (Irren kann sich jeder mal, aber dann muss man sich korrigieren.)

    Andererseits ist zu fragen, ob er damit wohl so schrecklich viel Schaden anrichten kann. Wer mit dem Namen „Creifelds“ etwas anfangen kann, dürfte auch sonst für einen Sechser etwas vom Recht verstehen, und solche Leute müssten eigentlich gegen derartiges Gedankengut immun sein. Die, die ihm auf den Leim kriechen, haben von Tuten und Blasen sowieso keine Ahnung.

  4. 4 likedeeler 29. Juni 2010 um 14:41

    Das Helten fremde Texte klaut, ist nicht neu oder ungewöhnlich. Sein vorletzter beitrag „LESERLICH SPRECHEN – LEISE SCHREIBEN“ zum Beispiel stammt ursprünglich von Klaus Rainer Röhl und hieß „Deutsche Tabus“.

  5. 5 nobody 26. September 2010 um 21:49

    Andreas Helten kann nicht mit Kritik umgehen. Nicht einmal, wenn diese konstruktiv und diplomatisch formuliert ist. Er ist nicht bereit, sich solch einer Herausforderung zu stellen. Mehr, bzw. weniger brauch doch über seinen Charakter nicht erwähnt werden!


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