Selbst nachprüfen: reine Informationen

Ein (r)echter Bauernfänger verteidigt seine AgitProp-Kampagnen gern mit der vorwurfsvollen Rechtfertigung, doch nur Informationen zu verbreiten, die jeder ausdrücklich selbst nachprüfen solle. Selber präsentiert er sich dabei meist als armes, aufrechtes Opfer, dessen Meinung widerrechtlich unterdrückt wird, obwohl er nur das Beste für seine Mitmenschen will. Schließlich würden wir doch alle von ‚denen da oben‘ systematisch belogen und betrogen – nur von ihm eben nicht.

Rolf Finkbeiner beispielsweise stellt sein gesamtes Lügenportal wahrheiten.org unter das Motto “Nichts glauben – selbst prüfen!” Prüfungsergebnisse, die seinem rechten Glauben widersprechen, tilgt er allerdings erbarmungslos aus den Kommentaren.

“Das Deutschlandprotokoll” von Ralf Uwe Hill wird beworben mit Phrasen wie “Vergessen Sie alles, was man Ihnen bisher erzählte und prüfen Sie den Inhalt des Buches auf seinen Tatsachengehalt selbst nach, dennSie finden hier erstmals alle Beweise und Fakten die es ihnen selbst ermöglichen, die in diesem Buch vorgetragenen Behauptungen selbst zu überprüfen”. Macht man ihn jedoch auf das niederschmetternde Ergebnis einer solchen Überprüfung aufmerksam, dann verweist er einfach auf sein nächstes Buch, in welchem aber wohl auch wieder nur seine alten Lügen in neuer Verpackung zu lesen sein werden.

In Holger Fröhners “Report ‚Die Jahrhundertlüge‘ werden”, so behaupten zumindest die Werbetrommeln, “Quellen angegeben, in denen Sie sämtliche Aussagen im Zweifel selbst nachlesen können”. Die hanebüchenen Schlußfolgerungen, die er aus diesen Quellen ziehen zu können glaubt, werden dadurch allerdings keinen Deut sinnvoller.

All diese vollmundigen Schwurbeleien sollen beim unbedarften Leser offenbar nur bewirken, daß sich eventuelle Zweifel an der Glaubwürdigkeit von vornherein zerstreuen. Wer so selbstbewußt zum Nachprüfen auffordert, der muß sich seiner Sache ja recht sicher sein, soll sich die avisierte Zielgruppe sagen, denn einer etwas näheren Prüfung halten die angeblichen „Tatsachen“ nachweislich kaum stand.

Besonders dreist geht der Reichsdeutsche Siegfried Böhm vor, seines Zeichens Geschäftsführer der Vereinigung „Eurotekt EWIV“. Auf deren Homepage preist er neben allerlei betrügerischen Kapitalanlageprogrammen u.a. auch den „Verkauf von Büchern“ an. Außer einigen gebrauchten Einzelexemplaren ist dort aber nur ein einziges Buch in größerer Stückzahl und neu zu haben: Büchters „Geheimsache BRD“. Davor findet sich folgender Disclaimer:

Wir wissen, dass Bücher verboten werden. Uns sind nicht bekannt, welche Bücher. Wir gehen davon aus, dass solche Bücher nicht zu kaufen sind. Einem diesbezüglichen Hinweis, gehen wir sofort nach. Wir sind weder politisch, noch vertreten wir Ansichten oder Meinungen von Autoren usw. Für uns handelt es sich um reine Informationen, worüber sich jeder seine eigene Meinung bilden muss.

Ist das nicht großherzig? Völlig uneigennützig macht der Herr Böhm vermeintlich verbotene Bücher der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Falls er noch keine „diesbezüglichen Hinweise“ erhalten hat, würde ich gern den Anfang machen: Bei ATB: Die Büchermacher kann Sven Büchters Märchenbuch nach wie vor gekauft werden, amazon verrät vier weitere Bezugsquellen. Geht man bei „Eurotekt EWIV“ lieber nur „davon aus“ als auf Nummer sicher, bevor man solche Annahmen formuliert, oder war diese offenkundige Fehlinformation gar eine bewußte Lüge zum Zwecke profaner Umsatzsteigerung?

Nur gut, daß folgendes Detail ein wenig Licht ins Dunkel bringt:

eurotekt

Als drittes Mitglied taucht dort doch tatsächlich Sven Büchter auf. Gehört er als zusammenarbeitendes Mitglied auch zu den „wir“ aus Böhms Ankündigung, die doch angeblich davon ausgehen, daß es sein Buch anderswo nicht zu kaufen gibt, und die weder politisch sind noch die Ansichten des Autors vertreten? Ich fürchte, das bleibt ebenso rätselhaft wie Böhms Ankündigung, „sobald die Mitgliederzahl erreicht ist“ aus jedem ihm bis dahin geborgten Euro auf ehrliche Weise 55.000€  machen zu können, oder die Legitimität seines Professorentitels.

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5 Responses to “Selbst nachprüfen: reine Informationen”


  1. 1 feelgood 15. September 2009 um 13:19

    Solche Seiten stoßen vor allem deshalb auf Interesse, weil einiges darauf hindeutet, dass einige wissenschaftlichen Erkenntnisse bei weitem nicht so gesichert sind, wie sie in den Massenmedien kommuniziert werden. Und dass wirtschaftliche und machtpolitsche Interessen seit Urzeiten erheblichen Einfluss auf die allgemeine Lehrmeinung haben, ist kaum bestritten. Viele der großen wissenschaftlichen Durchbrüche der letzten Jahrhunderte wurden von der Lehrmeinung zunächst als Scharlatanerei u.ä. abgetan.
    Bei dieser InternetSeite handelt es sich meiner Meinung nach leider mehrheitlich um Schrott. Ich frage mich jedoch welches Ziel der Betreiber verfolgt.

    Kennt jemand eine Seite, auf der Infomationen zur Klimaveränderung seriös zusammengestellt werden, auch in ihrer Widersprüchlichkeit.

    • 2 aliasalois3 12. Februar 2010 um 12:50

      viele sapienss haben keine hirnmuskelkraft umselber zu überprüfen.sie koennen nicht.so gedeihen betrüger wie pilhar und hamer.

      gebt uns geld her!wir sorgen für eure gesundheit.!

  2. 3 Captjacob 21. März 2011 um 14:29

    Den Aussagen zu Rolf Finkbeiner zu seinem Umgang mit Kritik und Contra kann ich vollumfänglich zustimmen.
    Wer anderen Leuten den „Horizont“ erweitern will, sollte diesen einen Schritt voraus sein.


  1. 1 Anonymous Trackback zu 9. Mai 2010 um 18:05
  2. 2 BRD oder Deutsches Reich? - Seite 17 Trackback zu 1. Juli 2011 um 16:40

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