Darth Bauch und die 7 Ausweise

Haben Sie Lust, coole Leute kennenzulernen; Menschen, die offen ihr zweites Gesicht zeigen und mutig genug sind, auch die aberwitzigste Meinung frei zu äußern? Dann müssen Sie Arschiunbedingt an der „Arsch-Revolution“ von Georg ‚Bauchi‘ Berres teilnehmen. Die soll nicht nur eine „nu era“ der Glückseligkeit einleiten, sondern gleichzeitig dafür sorgen, daß sie später mal voller Stolz Ihren Enkeln berichten können, wie spitzenmäßig revolutionär Sie in jungen Jahren doch waren. Den Enkeln mag das dann in diesem konkreten Fall zwar reichlich durchgeknallt vorkommen, aber die Blagen sollen ja schließlich nicht alle Fehler wiederholen, sondern möglichst aus denen ihrer Ahnen lernen, weshalb die sie ihnen ja schließlich auch erzählen. Im Interesse dieses wichtigen Lernprozesses (ob nun schon bei Ihnen oder erst bei Ihren Enkeln) komme ich nicht umhin, Sie mit einem hochpolitischen und trotzdem lustigen Gesellschafts-Spiel bekanntzumachen, welches sich Bauchi ausgedacht hat:

Im Bestreben, die Menschheit das wissen zu lassen, was ich so alles herausgefunden habe – und das geht nun mal jeden was an – und sie dazu zu bewegen, das alte Spiel zu beenden, hab ich das Regelwerk für ein neues Spiel geschrieben.

Über tausend Tage sind seither vergangen, ohne daß die Menschheit groß zur Kenntnis genommen hätte, daß da irgendjemand irgendwas herausfand, das jeden etwas angehen soll. Dabei ist es doch ganz einfach:

Die Regeln lauten: Tut bitte alle, was Ihr braucht um glücklich zu sein! Versucht einfach, dabei dafür zu sorgen, daß sich niemand an dem stößt was ihr macht, dann ist auch keiner frustriert und wir brauchen keine Gesetze, Richter und Gefängnisse mehr, weil es keine Kläger mehr gibt!

Das klingt zwar verdächtig nach Aleister Crowleys „Do what thou wilt shall be the whole of the Law“,  aber während der alte Junkie dieses spätere Blumenkinder-Credo nur im kleinen Kreis zu leben versuchte, hat Herr Berres damit nicht weniger vor, als der gesamten Welt Frieden zu bescheren. Jeder Welt-Spiel-Teilnehmer muß einfach nur lernen, ohne zu meckern und zu klagen sein Leben zu ertragen, und auch versuchen, andere nicht zu frustrieren, dann werden wir alle ohne Staat oder Gesetze auskommen. Er selbst geht natürlich mit guten Taten Worten voran:

Bei allem was ich mache, versuche ich es so zu tun, daß ich möglichst wenig Schaden anrichte. Erfahrungsgemäß entsteht Schaden durch mich auch ausschließlich bei denen, die kein Interesse daran haben, zu verstehen, warum ich so handle wie ich es mache.

Erfahrungsgemäß suchen enttäuschte Propheten die Ursache für die erfahrene Ablehnung lieber im Gegenüber als bei sich selbst, also in unserem vorsätzlichen nicht-verstehen-wollen statt im eigenen Unvermögen, ihre möglicherweise tatsächlich genialen Gedanken verständlich und widerspruchsfrei darzulegen. Was der Arsch-Revoluzzer unter „möglichst wenig Schaden anrichten“ versteht, hat er erst letzte Woche vor dem Reichstagsgebäude demonstriert, als er sich mit einigen Freunden zu „so ner Art KunstEvent“ traf: Zur öffentlichen Vernichtung von Personaldokumenten, denn „diese Regierung ist nicht legitim“ und daher müsse man aus der „BRD-GmbH“ austreten.

vorher

davor

Hunderte sollten es ursprünglich werden, sieben Delinquenten wurden es schließlich: Die schuldigen Personalausweise vor ihrer Exekution, begleitet von einem schüchternen Sozialversicherungsausweis. Geburtsurkunden waren nicht dabei; schließlich hatte die Vernichtungs-Aktion nicht zum erklärten Ziel, die eigenen Eltern kinderlos, sondern sich selbst staatenlos zu machen.

Darth Bauch

dabei

Bauchi zelebriert mit viel Pathos die vorsätzliche  Zerstörung fremden Eigentums. Frau und Freunde schnitten danach ebenfalls zur Tat. Vorbereitete Erklärungen wurden unter großer Anteilnahme der Umstehenden zerrissen und den Treppenstufen übergeben. Jubelrufe erschallten: „Wir sind keine Deutschen mehr, wir sind freie Menschen!“ Bauchi erklärt: Und von der Scheiß-Firma, wo ich seit 35 Jahren Personal bin, habe ich noch nie einen Cent gesehen. Keinen Lohn, keinen Urlaub, gar nix.„¹

danach

danach

Die Richtstatt mit den stummen Zeugen der mutigen Selbstbefreiungstat. Was dort liegt, waren noch kurz zuvor die erniedrigenden Fesseln, mit denen freie Menschen zum Personal einer Staatssimulation degradiert wurden.  Nun jedoch, das kennt man ja aus Filmen mit Voodoo-Ritualen, ist ihr Bann endgültig gebrochen. Friede ihrer Asche?

Nein, die Reste anschließend zu verbrennen hätte wahrscheinlich noch kläglicher ausgesehen als sie einfach so liegenzulassen.

just kiddin'

offizielle Reaktion

Wer vor dem Reichstag Dienst schiebt, der hat ausreichend Erfahrung im Umgang mit Verwirrten. Die einzige Waffe, die zum Einsatz kam, war das gut trainierte und oft bewährte Deeskalationslächeln. Vielleicht weiß dieser nette Systemscherge aber auch jetzt schon, daß Bauchi nebst Frau sich nur wenig später beim Schwarzfahren erwischen lassen und dadurch trotz aller gegenteiligen Spielregeln plötzlich doch recht frustriert wirken werden, so ganz ohne Ausweisdokumente. Lag dieser Regelverstoß (dafür sorgen, daß sich niemand an dem stößt was ihr macht) nun an den Spielern, den Spielregeln oder dem Erfinder des ganzen Unsinns?

Aleister Crowley fand mit seinem Regelwerk vor 100 Jahren so viel Zuspruch, daß es für eine eigene Sekte reichte. So weit ist Herr Berres zwar noch nicht, aber er arbeitet hart daran:

Du bist herzlich eingeladen, Dich uns anzuschließen, je früher desto schöner wirst Du es finden. Willst Du deinen Enkeln mal erzählen, bei irgend einer großen Sache von Anfang an dabei gewesen zu sein? Dann ist das hier Deine Gelegenheit! Und lass alle die Du kennst und siehst davon wissen! Sag ihnen, daß ein neues Zeitalter begonnen hat!

Was dieses neue Zeitalter für die ausweislosen outlaws bereithalten wird, hat die BVB kurz angedeutet: Übergabe an die Polizei wegen nicht feststellbarer Personalien. Für Bauchi war das Grund genug, in seiner gestrigen Bauchi-auf-Sendung aufgebracht zu konstatieren: „Im Moment stehen wir exakt an der Grenze zum Faschismus. Ein Schritt weiter, und wir sind mittendrin.“ Daß er selbst derjenige ist, der diese Schritte gegangen ist, kommt ihm wahrscheinlich nicht in den Sinn. Warum auch, schließlich wollen er und seine Frau doch später mal voller Stolz ihren Enkeln berichten, wie todesmutig sie damals ihre Ausweise zerschnippelt haben, damit ihnen niemand mehr vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben.

Gestern hat übrigens auch für Bauchi wieder mal eine neue Zeit begonnen, denn er hat sich endgültig(?) von den verkrampferten Germanen losgesagt, denen er auf seinem Webspace lange eine Heimstatt bot. Meinen Glückwunsch zu dieser überfälligen Entscheidung!

¹) Was Herr Berres unter „noch nie einen Cent gesehen“ verstanden wissen will, hat er schon 2007 im Regelwerk seines Spielchens klargestellt:

Frei wie ein Vogel konnte ich dank HartzIV 6 Semester lang auf meinem Sofa dieses Leben studieren. Da ganz Deutschland auf diese Weise mein Stipendium bezahlt hat, sehe ich es als Selbstverständlichkeit, Euch allen Rechenschaft abzulegen und Euch mitzuteilen was ich alles heraus gefunden habe.

Advertisements

4 Responses to “Darth Bauch und die 7 Ausweise”


  1. 1 chartinael 13. Mai 2009 um 15:02

    Geht ja gar nicht. Oh man, das ist ja richtig traurig.

  2. 2 Irexis 15. Mai 2009 um 09:35

    Ich fand die ganze Aktion eher entäuschend, wartete ich doch darauf, das schwarzer Dampf aus den Ausweisen aufsteigt und der aufgedruckte Baphomet sich sofort an Bauchi und Konsorten rächen würde. Tja, auf nichts ist mehr Verlass!

  3. 3 Rheinlaender 15. Mai 2009 um 17:10

    „Baphomet“ – Wenn man sich lange genug auf eine Raufasertapette konzentiert, kann man je nach sexueller oder religoeser Ausrichtung auch ganz tolle Dinge sehen. Warum sollte dies bei Mustern auf der Rueckseite von Ausweisen anders sein?

  4. 4 Peppson 20. Mai 2009 um 16:58

    Ich verfolge auch mit Begeisterung Berres‘ Bemümuhungen, um den „Weltfrieden“. Unter Comedy-Aspekten ist Vieles auch recht witzig (er behauptet ja mittlerweile sogar mit Bäumen zu sprechen und bald auch fliegen zu können!!!). Aber, wenn er sich mit seiner gelben Armbinde mir 6 Millionen unschuldig ermordeter Menschen gleich setzen will, dann hört bei mir der Spaß und meine Toleranz auf. Ist ja auch auffällig, dass trotz allem bei ihm immmer wieder seltsame…hm…“Tendenzen“ zu erkennen sind (Der Holocaust wird z.B. zumindest indirekt angezweifelt, die deutsche Kriegsschuld am 2. WK wird auch angezweifelt bzw. abgelehnt etc.). Unverantwortlich ist es auch, wenn er Menschen auffordert, ihre Psychopharmaka abzusetzen. Naja, auf jeden Fall Danke und Respekt die Betreiber dieser Seite, ich schau‘ fast täglich vorbei.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




grenzenlos daneben

"Verrücktheit ist unendlich faszinierender als Intelligenz, unendlich tiefgründiger. Intelligenz hat Grenzen, Verrücktheit nicht." Claude Chabrol

oft geklickt

Beiträge vom

auf den Weg

Ich sehe nicht ein, warum ich, der Einfalt Anderer wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte. Die Wahrheit achte ich überall; eben darum aber nicht was ihr entgegensteht
Arthur Schopenhauer
Parerga und Paralipomena II

Auf Dummenfang waren bisher

  • 113,269 Besucher

%d Bloggern gefällt das: