Hamers Hilfsschulniveau

Bevor ich mich in einen einwöchigen offline-Urlaub verabschiede, noch eine Meldung von der neumedizynischen Front: Hamer hat sich vor Gericht ein weiteres Mal kostenpflichtig abwatschen lassen.

Dr. Ryke Geerd Hamer hat innerhalb von 2 Wochen die Kosten von 118.072 Kronen an das staatliche Gesundheits- und Fürsorgedepartement zu bezahlen, plus eventuelle Verspätungszinsen.

urteilte das Sandefjord Tingrett am 30. April 2009. Nach genau diesen zwei Wochen legte Hamer Widerspruch bei der nächsthöheren Instanz ein und erklärte trotzig:

Dafür zahle ich nicht. Denn daß meine Klage nicht thematisiert werden durfte, das empfinde ich als Betrug. Und für Betrug zahle ich nicht auch noch.

Damit geht sein Kampf um die norwegische Zulassung als Arzt in die vierte Runde. Gut alimentiert durch seine diensbeflissenen Groupies wird der greise friesische Sturkopf auch weiterhin weder Kosten noch Mühe scheuen, seiner naturgesetzlichen Lehre zum Durchbruch zu verhelfen. Durchbrochen hat er in den vergangenen 40 Jahren ja so manches, aber immer nur auf moralischem und juristischem Gebiet. Für eine logisch konsistente Darlegung seine Lehre hat er hingegen nie die Zeit gefunden, ebensowenig für die hieb- und stichfeste Dokumentation auch nur eines einzigen Falles, in dem die Anwendung seiner „Naturgesetze“ zur nachweislichen Heilung eines nachweislich Krebskranken führte. Dabei würde ein solcher Fall seinen Kritikern sofort jede Menge Wind aus den Segeln nehmen. Er will knapp 26.000 ernsthaft kranke Patienten behandelt haben, nachdem ihm die Zulassung entzogen wurde. Öffentliche Aufrufe an diesen Personenkreis, sich als lebender Beweis für das Neue an Hamers Germanischer zu erkennen zu geben, blieben erfolglos. Es gibt sie offenbar nur in Hamers übersprudelnder Fantasie.

An das Appellationsgericht Skien schrieb er drei Tage später u.a.:

Zum Wahnsinnigwerden. Man hat das Gefühl, man diskutiert auf Hilfsschulniveau! Schließlich: Daß auch in der Germanischen gelegentlich mal ein Patient stirbt – wir Menschen sind nicht Gott – das ist ja selbstverständlich. Aber es sind nur 1 oder 2 von hundert an Krebs erkrankter Patienten. In der Schuldmedizin mit Chemo und Morphium sterben 50 bis 100 mal so viel, quasi alle.

Der Hamerschen Herde wird es kaum auffallen, daß ihr Hirte wie üblich Äpfel mit faulen Birnen vergleicht, den Richtern schon. 1 oder 2 von hundert an Krebs erkrankter Patienten schickt mein Hausarzt zum Röntgen, weil der „Krebs“ der anderen eben nichts weiter ist als eine hartnäckige Erkältung oder etwas anderes, was ausschließlich von Hamer zum „Krebs“ erklärt wird. Sollten unter den bei Hamer Rat Suchenden 1 oder 2 Prozent tatsächlich an einem bösartigen Karzinom leiden, dann werden genau diese seine „Therapie“ nicht überleben, alle anderen dürfen sich aber mit Hamer freuen, daß die Germanische ihnen das Leben gerettet hat.

So lange, bis auch sie irgendwann zu den 1 oder 2 Prozent der Unglücklichen gehören, die für Hamers Wahn mit dem eigenen Leben bezahlen müssen.

Die folgenden Passagen aus der langen, aber durchaus lesenswerten Urteilsbegründung geben einen ungefähren Eindruck davon, was auch in den künftigen Entscheidungen stehen wird: Sein fachliches Versagen kann Hamer auch vor Gericht nicht in einen Triumph verwandeln.

Die Anerkennung, die der Kläger sucht, kann er nicht erhalten, indem er einen Antrag auf eine ärztliche Zulassung stellt. Dies liegt ausserhalb der staatlichen Zulassungsstelle für das Mandat des staatlichen Gesundheitsausschusses, vgl. Gesundheitsgesetz § 53, § 68 und § 69 mit den zugehörigen Vorschriften. Diese Behörde hat nicht die Aufgabe, die Theorien des Klägers zu testen und zu überprüfen.

[…]

Das Gericht ist der Meinung, dass der Kläger seine Arzttätigkeit nicht verantwortungsbewusst ausüben wird. Wenn es um die objektiven Elementen geht, wird von einem Arzt erwartet, dass er sich an die vorgeschriebene Lehre hält, die innerhalb der Medizin wissenschaftlich dokumentiert ist. Darin liegt, dass ein Arzt seine Patienten für eine medizinische Lehre, die nicht wissenschaftlich dokumentiert ist, nicht als experimentelle Objekte benutzt und dabei die wirksame Medizin völlig verdrängt.

[…]

Demnach ist das Gericht der Meinung, dass die Ablehnung des Antrages auf Zulassung richtig gewesen ist. Da sich die Germanische Neue Medizin gegen sämtliche Krankheiten und nicht nur gegen die Krebskrankheiten richtet, ist es auch richtig gewesen, eine vorübergehende Lizenz zu verweigern, vgl. Gesundheitsgesetz § 49.

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2 Responses to “Hamers Hilfsschulniveau”


  1. 1 alois 29. Oktober 2009 um 11:22

    hamers ideologie ist verschleierte esoterik die mit schönen naturgesetzen bekleidet ist.kern ist ,aber, ESOTERISCHER HUMBUG ohne ende.ideologie ist nur für idioten gut.keine idee ist blöd genug um keine anhänger zu finden

  2. 2 Rheinlaender 29. Oktober 2009 um 12:03

    Es sind eben keine „Naturgesetze“: Solche werden durch empirische Beobachtung ermittelt, wenn man sich die Hamerschen Texte durchliest so sieht man, dass diese eben keine empirische Basis haben, sondern bestenfalls unueberpruefbare annekdotische Beispiele. Das hat den gleichen Wert wie daraus zu folgern, wenn _ein_ Saeufer mit 70 erstaunlicherweise noch eine funktioniernde Leber, dass Alkohol die Leber nicht schaedigt, und dabei die grosse Anzahl jener ignorierend, deren Leber eben geschaedigt wurde.

    Solange wir noch nicht vollstaendig verstanden haben, welche Faktoren bei einzeln Krankheiten deren Verlauf bestimmt (es wird gerade auf genetischer Ebene daran intensive geforscht und man kann heute schon bei vielen Krankheiten die Behandlung schon dem jeweiligen Genome des Erregers, bzw. des Erkrankten anpassen: Die Bahandlung von Hep C ist so ein Beispiel auch von intesiver Forschung), basiert die letztendliche Ueberpruefung von Heilmethoden auf statischen Methoden in Doppelblindversuchen.

    Das ist nicht ideal, aber besser als das Hamersche Geschrubbel.


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